Freie Presse - Auerbacher Zeitung - Dienstag, d. 26.06.2012
Bergens Dorfklub tischt ordentlich auf
Beim 6. Straßenfest der „Theime-Gass“ hat das halbe Dorf zusammen gefeiert. Gemeinsame Sache ist auch die Organisation.

VON SYLVIA DIENEL

BERGEN — Entzugserscheinungen? Kennen Jana und André Meinl. „Wir kommen zwar nicht aus Bergen, haben aber schonmalmitgefeiert. Was hier geboten wird, ist wirklich ordentlich, auch die Atmosphäre. Das hat uns gefehlt“, erzählen sie und konzentrieren sich weiter aufs Programm. Zwei Jahre trennten das fünfte Straßenfest in der „Theime- Gass“ in Bergen von seiner sechsten Ausgabe. AmSamstag hatte das langeWarten ein Ende: Die Theumaer Straße und die angrenzende Wiese warenwieder als Festgelände präpariert.

„Das Rezept bleibt geheim.“ Jörg Böswetter Mutzbraten-Verantwortlicher

Den ersten Applaus des Tages kassierten am Nachmittag die Kindergarten- Kinder. Später kletterte die neunköpfige Nachwuchs-Truppe Club-Kids vom Bergener Dorfclub auf die Zeltbühne und machte mit dem Randfichten-Titel „Du kleine Fliege“ ihren Vorbildern Konkurrenz. Schließlich strebte die Sause zielsicher in Richtung Schlagernacht mit Live-Musik von Eberhard & Susann aus Mylau, Theumaer Step-Tänzern, Gaudi- und Rockhits aus den 70ern und 80ern. Die Krone setztenMänner aus den eigenen Reihen auf – beim tapferen Versuch, in die Fußstapfen der Drei Jungen Tenöre zu treten.

Den mit Abstand heißesten Standort auf der Feiermeile hatte Jörg Böswetter. Er beaufsichtigte einen Drehspieß in maximal zwei Metern Entfernung von der Feuerstelle. Unter dem Alufolie-Schutz brutzelte duftende Straßenfest-Tradition: Mutzbraten. In Kräutersud eingelegtes, über Birkenholz geräuchertes und grillfertig gemachtes Schweinefleisch. Näher will er sich zur Zubereitung nicht äußern. „Das Rezept bleibt geheim“, erklärt er eisern, verrät aber, was außerdem auf die Teller kommt: Sauerkraut und Brot. Bis dahin war es noch ein langer Weg. Mindestens drei Stunden müsse sich der Braten über dem Feuer drehen, weiß Jörg Böswetter. 35 Kilogramm steckten vorsorglich am Spieß. „Vor zwei Jahren war es nur die Hälfte und viel zu wenig“, erinnert er sich.

Das Straßenfest der „Theime- Gass“ ist weit mehr, als sein Name sagt. Zwar kamen ursprünglich nur Anwohner zusammen, aber längst werde der gesamte Ort einbezogen, sagt Dorfclubchef Frank Böswetter. „Schon in der Nachkriegszeit hat es das gegeben, und nach der Wende ist es reaktiviert worden. Weil die Leute in die Jahre gekommen sind, haben sie uns 2010 um Unterstützung gebeten.“ Seitdem organisiert man gemeinsam, die Verpflegung vom Grillfleisch bis zum selbst gebackenen Kuchen schultert der Club.

Zur Kaffeezeit füllte sich das Festzelt. Janka Trapp (r.) serviert Kuchen, den sich Britt Landrock und Maximilian Colin Gruner schmecken lassen.
FOTO: KELLER-THOSS