Von Sylvia Dienel
Oberlauterbach - Sie hat gelbe Beine, einen dunklen Hinterleib und ist auf dem Vormarsch. Das Vogtland hat die Asiatische Hornisse zwar noch nicht erreicht. In Süddeutschland sei sie aber schon angekommen, sagt Frank Heckers. Der Bergener ist Imker und weiß, was es bedeuten kann, wenn die invasive Insektenart auf der Bildfläche erscheint: „Sie verfüttert Bienen an ihre Brut.“ Lässt sich das Hornissennest nicht lokalisieren und entfernen, könne ein ganzes Bienenvolk zusammenbrechen, so der Fachmann.

Hier und da sind Bienen im Juli noch beim Nektarsammeln zu sehen. Wenn die Natur weniger hergibt, müssen Imker zufüttern. Foto: Sylvia Dienel
Frank Heckers imkert seit zwei Jahrzehnten, hat einen eigenen Fachhandel, 50 Völker und seit einigen Jahren mit anderen Gegnern zu kämpfen. Regelmäßig im Frühjahr setzt der Sackbrut-Virus seinen Beständen zu. „Davor war gar nichts“, sagt er. Und Heckers ist mit solchen Problemen keine Ausnahme. „Das tritt mal stärker und mal weniger stark auf“, erklärt er. Ein Kraut ist noch nicht dagegen gewachsen. „Normalerweise helfen sich die Bienen selber“, sagt Heckers. Vor allem dann, wenn die Völker stark sind.
Sackbrut ist nicht die einzige Viruserkrankung in der Imkerei. Kalkbrut, Europäische und Amerikanische Faulbrut schlagen ihrerseits Schneisen. Während die ersten beiden weniger infektiös sind, erfordert die Amerikanische Faulbrut bereits im Verdachtsfall energisches Durchgreifen. Dann sei eine Meldung beim Veterinäramt absolute Pflicht betont, Heckers. „Man kann Völker nur retten, wenn man befallene beseitigt und neu startet.“

Imker Frank Heckers (2. von rechts) gibt sein Wissen an Anfänger und Fortgeschrittene weiter. Theresa Schmidt-Seifert war jüngst im Oberlauterbacher Natur- und Umweltzentrum dabei. Foto: Sylvia Dienel
Zu erkennen geben sich die Erreger auf verschiedene Weise. Alarmsignale sind Veränderungen in der Wabenstruktur wie dunkle Verfärbungen und Beläge. Auch die Larven sind verfärbt und verformt. Bruten schlüpfen daraufhin nicht. Auf Kalkbrut würden „Mumien“ hindeuten, die sich vor dem Flugloch und im Stock ansammeln, sagt Frank Heckers. Als Vorbeugung sei regelmäßige Brutkontrolle wichtig. Außerdem rät er dringend dazu, weder Honig noch Waben und Bienenkästen aus fremden Beständen zu verwenden. Auch keine eigenen älteren, bereits bebrüteten Waben.
„In den letzten Jahren war der Ertrag schon im Juni schlecht.“
Frank Heckers Imker und Kursleiter
Zusätzlich bekommen es Imker hierzulande mit der Varroamilbe zu tun. „Vor zehn oder 15 Jahren war das ein großes Problem“, berichtet Frank Heckers. „In den letzten Jahren eher weniger.“ Warum? „Da kann man nur spekulieren“, sagt sogar der Fachmann. „Es könnte mit klimatischen Veränderungen zu tun haben.“ Oder auch nicht. Varroamilben siedeln sich auf Bienen an und injizieren Viren in deren Blutbahn. Auch hier muss Befall gemeldet werden, sobald er in Erscheinung tritt. „Wenn ich nichts mache, brechen meine Völker in zwei, drei Jahren zusammen.“ Mittel der Wahl sind beim Bekämpfen Ameisen- oder Oxalsäure.

Ohne allerhand Gerätschaften kommt auch ein Hobby-Bienenhalter nicht aus. Foto: Sylvia Dienel
Längere Trockenzeiten und Hitzeperioden machen Bienen Frank Heckers zufolge generell zu schaffen. „In den letzten Jahren war der Ertrag schon im Juni schlecht. Dieses Jahr ist es auch so. Der Juni war ganz mau“, sagt der Vogtländer und zieht Vergleiche zu früher. Vor 20 Jahren sei von Mitte Juli bis Mitte August Honig-Hochzeit gewesen. Gibt die Landschaft kaum Nektar her, müsse Zuckerwasser zugefüttert werden. Auch frisches Wasser ohne süße Beigaben wird gebraucht. Zum Trinken und für ein konstantes Raumklima mit 35 Grad Celsius bei 85 Prozent Luftfeuchtigkeit im Stockzentrum.
Seit einiger Zeit interessieren sich vermehrt jüngere Vogtländer für die Imkerei. Theresa Schmidt-Seifert ist vor drei Jahren ohne familiäre Vorgeschichte dazugekommen. „Es ging eher darum, sich regional zu versorgen“, erzählt die 47-Jährige aus Bad Elster. Fünf Völker hat sie momentan und steckt viel Zeit in ihr Hobby. „Als Anfängerin bin ich schon jedes Wochenende bei meinen Bienen.“ Auch der Bezug zur Umwelt fasziniert sie: „Bienen sind für mich ein Indikator dafür, was in der Natur los ist.“ (dien)
Zitat:
„In den letzten Jahren war der Ertrag schon im Juni schlecht.“ Frank Heckers Imker und Kursleiter
|